Fährtenarbeit – Schnüffelnasen im Gras

Fährtenarbeit ist Hochleistungssport

Die Nase des Hundes mit ca. 250 Millionen Riechzellen

Die Nase des Hundes mit ca. 250 Millionen Riechzellen

 

Viele stellen sich Hundesport so vor: schnell, agil, kraftvoll und dynamisch. Das ist das Bild welches wir von Agility, Schutzhund- und Tunierhundesport kennen. Bei der Fährtenarbeit geht es jedoch um Gründlichkeit, Konzentration und um den Erfolg beim Suchen – und sonst nichts.

Was hat Fährtenarbeit mit Hundesport zu tun?

Ein Hund verbrennt in zehn Minuten Fährtenarbeit ungefähr genauso viel Kalorien wie bei einem einstündigen Spaziergang. Ausgepowert ist er danach auch, da die Suche von ihm völlige Konzentration fordert. Das ist anstrengend und fordert den Hund enorm. Außerdem tritt man im Team auf. Das gemeinsame Hobby festigt und vertieft die Bindung zwischen Hund und Mensch.

Für jedes Alter geeignet

Bei der Fährtenarbeit wird dem Hund einiges abverlangt. Die Fähigkeit sich auf die Suche zu konzentrieren, sich zu fokussieren und je nach Suchgelände auch Koordinations-Fähigkeit. Da die körperliche Beanspruchung aber für Hund und Mensch gering ist, können hier auch ältere Hunde oder ältere Menschen antreten. Auch Hunde und Menschen mit Handicap können beim Fährten ein gemeinsames Hobby ausleben.

Was macht die Fährtenarbeit aus?

Bei der Fährtenarbeit  legt ein Fährtenleger auf organischem Boden (Wiesen, Felder, Wege) eine Spur mit Gegenständen, die der Hund entweder anzeigt, also darauf verweist, oder die Gegenstände aufnimmt. Der Hundeführer folgt seinem angeleinten Hund mit einigen Metern Abstand. Wichtig ist hierbei, dem Hund ausreichend Leine zu geben und ihn nicht durch ziehen an der Leine beim Suchen zu hindern oder zu verunsichern. Je nach Ausbildungsstand wird die Fährte nach dem Auslegen der Gegenstände erst nach 20 Minuten bis zu 3 Stunden vom Hund  abgesucht.

Wie startet man mit dem „Fährten“?

Beim ersten Mal sucht man sich eine Wiese, die möglichst unberührt von Fremdgerüchen (beispielsweise andere Hunde) ist. Idealerweise der nobelste Golfplatz in der Nähe. Um Gottes Willen, bloß nicht, das war nur ein Spaß! Den Startpunkt markiert man mit einem Holzstab. Hier würden sich die Golf Fähnchen hervorragend eignen….äähm achso, wir wollten ja nicht auf den Golfplatz laufen! Nun trampelt man (das ist wörtlich zu nehmen) eine etwa zwei Fuß breite und ca. 3m lange Spur in die Wiese. Durch das trampeln und zertreten des Bodens wird die Fährte markiert. In regelmäßigen Abständen, anfangs nur wenige Schritte, legt man zusätzlich kleine Leckerchen in die Spur. Sie sollten schnell und leicht schluckbar sein. Beispielsweise kleine Wurst- oder Käsewürfel. Am Ende der Fährte hinterlässt man eine ganze Hand voll Leckerchen, als ganz besondere Belohnung. Auf jeden Fall sollte es für den Hund ein Jackpot sein.

Der Hund darf anfangs auch gerne beim Fährtenlegen zuschauen. So erlernt er gleichzeitig geduldig zu warten und kann sich schon mal auf das Suchen einstellen. Immer gleichbleibende Rituale erleichtern dem Hund zu verstehen, was gleich von ihm erwartet wird.

Nun wird der Hund mit Geschirr und Schleppleine zum Startpunkt der Fährte geführt. Mit dem Kommando „Such“ schickt man den Hund auf seine Geruchs-Reise. Mit den dort platzierten Futterhappen belohnt sich der Hund bei jedem richtigen Schritt selber. Bis er das Ende der Fährte und gleichzeitig seinen Jackpot findet.

Nach jeder Fährte solltest du deinem Hund eine Auszeit gönnen und höchstens noch eine oder zwei Fährten legen.

Du wirst sehen, dass es ihm große Freude bereitet und er schnell immer besser wird.

Jede neue Fährte bedeutet eine neue Herausforderung

Zum Anfang trampeln wir noch reichlich auf dem Boden rum und legen zusätzlich Leckerlis aus um dem Hund das Fährten beizubringen. Die Fährten halten wir eher kurz und legen sie in einer Linie geradeaus.

Nach und nach werden die Abstände der positionierten Leckerlis etwas größer. Beherrscht der Hund das bereits sehr gut, können wir auch eine 90° Kehre einbauen.

Später lassen wir die Spur vor Beginn der Suche etwa 15 bis 20 Minuten „ruhen“. In dieser Zeit entfalten sich die Elementargerüche der Bodenverletzung die beim Eintrampeln der Spur entstanden sind. Eine Mischung aus Lehm, Gras und dem individuellen Geruch des Fährtenlegers markiert nun unsere Spur.

Artgerechte Beschäftigungsmöglichkeit

Beim Fährtenlesen fordern wir das wichtigste und am besten ausgebildete Sinnesorgan unseres Hundes: die Nase. Mit durchschnittlich 250 Millionen Riechzellen ist sie unserer menschlichen Nase weit überlegen. Der Mensch besitzt gerade mal 10-30 Millionen (Quelle:Wikipedia). Eine Spur zu verfolgen und zu schnüffeln gehört zum Hundeleben einfach dazu und ist daher eine der artgerechtesten Beschäftigungsmöglichkeiten überhaupt.

Was benötigt man für das Training?

Man benötigt nicht viel und kann das Training quasi in jeden Spaziergang einbauen. Ein gut sitzendes Hundegeschirr, eine Schleppleine, ein Holzstück um den Start der Fährte für das menschliche Auge zu markieren, eine Tüte voll klein geschnittener Leckerlis (Käse, Trainingswurst).

Im fortgeschrittenen Stadium solltest du dir eine kleine Sammlung von Fährtengegenständen zulegen. Das können kleine Hölzer sein (Fährtenhölzer), ein Handschuh, eine Socke, Feuerzeug, Schlüssel oder ein Spielzeug sein. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Lediglich bei Prüfungen und Wettkämpfen werden die Gegenstände vorab definiert.

 

 

 

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